Ryukyu Kobujutsu (Kobudo) Deutschland
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Ryukyu Kobujutsu (Kobudo) Deutschland
Traditionelle Kampfkunst für Körper und Geist
Abteilung des Karate-Dojo-Freising e.V.
Ryukyu Kobujutsu (Kobudo) Deutschland

Allgemeines zu Kobujutsu / Kobudo und seinen Waffen

Im Ryukyu Kobujutsu / Kobudo werden 8 Waffen unterrichtet. Dazu kommen noch 7 untergeordnete Waffen die jeweils ihre spezifische Verwendung in einer Kata demonstrieren, ansonsten aber wie die jeweilige Hauptwaffe gehandhabt werden. Gute Beispiele sind hierzu Hanbo und Ekku, welche im Allgemeinen wie der Bo geführt werden, aber durch ihre Form und Größe jeweils bestimmte weitere Techniken zu lassen bzw. auch, dass bestimmte Techniken keinen Sinn machen.

Wenn man in den Artikeln über unsere Waffen sieht, wie viele weitere es gibt die nicht unterrichtet werden, und es sind bei weitem nicht alle, wirft das die Frage auf „wieso“?

Um das zu beantworten muss man etwas von der Technik und dem äußeren Anschein weggehen. Bei den 8 Waffentypen handelt es sich um „Archetypen“ aus denen sich alle weiteren nach und nach erschließen. Wichtig ist hierbei das gründliche Studium der Kata und ihrer Bunkai mit den einzelnen Waffen, was nicht bedeutet daß es sich hierbei um auswendig zu lernende Abläufe handelt. Natürlich steht das auswendige und sichere Beherrschen der Übungen am Anfang. Man kann in diesen immer wieder kehrenden Bewegungsmustern auch gewisse Parallelen zu vielen anderen Schulen ziehen. Speziell die Schwert-Stile der Samurai. Auch hier wurden Automatismen eingeschliffen die im Ernstfall reflexartig abgespult wurden. Der Überlebende war der mit dem erfolgreicheren Bewegungsmuster. Noch mehr wie im traditionellen Karate gilt das Prinzip „Ikken Hisatsu“ (ein Schlag, ein Leben) da man speziell bei Waffen nie darauf zu hoffen braucht eine zweite Chance zu bekommen und auch wenn man längere Partnerformen übt sind eigentlich die Ippon-Kumite (Ein-Schritt-Kampf) die realistischeren. Diese Art des Kämpfens ist in der Hinsicht interessant, dass sie den „Denkprozess“ ausklammert, rein die Reflexe fordert und so extrem an Geschwindigkeit gewinnt. Dies ist auch einer der Gründe die „Mushin“ (ohne Gedanken) fordern. Um das in unserem Fall zu schulen, muss ehrlich trainiert werden. Ehrlich bedeutet, dass auch die abgesprochenen Formen nicht nur heruntergespult werden sondern so frei wie möglich in Timing, Initiative und Bewegung ausgeführt werden. Im Laufe der Zeit ergibt sich ein intuitives Verständnis für die Waffe und ihre Handhabung. Damit kommt man in den Bereich in dem die fest eingeschliffenen Formen abstrahiert werden können und sich damit auch andere Waffen in ihrer Verwendung erschließen. Wenn man die Waffen in ihrer Abfolge betrachtet erkennt man auch, dass Bo als starre Stangenwaffe am Anfang steht und Surujin, die weiche Kette am Ende. Ich will damit jetzt nicht auf den Gedanken der Form von starr nach weich eingehen, sondern dass man mit einer starren Waffe beginnt diese über Tonfa und Nunchaku immer mehr Drehpunkte bekommt bis man bei einer flexiblen Waffe angekommen ist. Damit sind alle Zwischenstufen abgedeckt. Das könnte auch der Grund sein, wieso Nunchaku keine eigenen Kata besitzt. Immerhin stellt es nur eine „Zwischenstufe dar. Oder wenn man Sai betrachtet. Kennt man die Bewegungen, so ergibt sich daraus auch jede Form von Machete und Messer bzw. das Wakizashi, welches als Beutewaffe mit Sicherheit auch bei den Bauern damals anzutreffen war. Eine andere sehr vielseitige Waffe und auch häufig zu finden, sei es als Knüppel oder heutzutage als zusammengerollte Zeitung ist der Tanbo (60 cm Stock) der einzeln oder paarweise Verwendung fand. Seine Techniken sind eigentlich eine Mischung aus Hanbo, Nunchaku, Sai, Tonfa und Kama.

In gewisser Weise ist dies der Shuhari-Gedanke der in jeder Budo-Disziplin zu finden ist. Shu ist das nachahmen der Form am Anfang. Ha das Festigen der Form und finden des eigenen Wegs und Ri das sich befreien von der Form und den eigenen Weg gehen. Inoue Motokatsu schreibt auch in seinem Buch, dass die unterrichteten Waffen „Jyuteiken“ sind. Das heißt eine feste Form und Größe haben. Das Ziel aber ist „Ryuteiken“ zu erreichen. Also dass die Waffen keine feste Form und Größe mehr besitzen.

Somit sollte es am Ende auch möglich sein mit „neuen“ Kombinationen zu arbeiten. Damit sind jetzt nicht nur bekannte Waffen wie Kusari-Kama (Sichel mit Kette) gemeint sondern auch für damalige Verhältnisse sinnvolle Kombinationen. So wird vermutlich ein okinawesischer Bauer der zum Ernten ging nicht zwei Kama mitgenommen haben und auch kaum die passende Rochin (Sähstichel) zur Timbe bei sich tragen sondern im Notfall einfach Timbe mit Kama kombiniert haben.

 

Ein weiterer interessanter Punkt ist die Tatsache, dass sämtliche Kumite (ausser den Nunchaku- und den Tekko-Kumite) gegen Bo trainiert werden. In unserem Stil gibt es keine Kumite oder Bunkai in denen zum Beispiel Sai gegen Tonfa oder ähnliches geführt werden. Zur Erklärung muss man sich nur die Ausrüstung der Samurai-Truppen und der Fußsoldaten (Ashigaru) ansehen. Die primären Waffen der Samurai waren der Bokken welcher aus Kostengründen oft anstatt dem Schwert im Kampf eingesetzt wurde und das Langschwert Daito (Katana oder Tachi). Ein Schwert war auch für reiche Familien ein wertvoller Besitz der bei Verlust oder Zerstörung oft finanziellen Ruin bedeuten konnte. Umgerechnet war der Wert eines Katana bei einem Jahresgehalt eines mittleren Samurai anzusiedeln. Daneben wurde natürlich auch das Kurzschwert Shoto (auch Wakizashi) verwendet. Techniken dagegen findet man explizit in den Nunchaku Kumite. Seltener und meist auf dem Schlachtfeld wurde dann der Bogen, Naginata (Hellebarde) und Yari (Lanze) getragen. Die letzten beiden auch von den Ashigaru denen aus Standesgründen das Tragen des Schwerterpaares Daisho untersagt war.

Man kann klar erkennen, dass es sich meist um Stangenwaffen handelt gegen die exemplarisch der Bo im Training verwendet werden konnte. Da die Techniken des Bo auch Ähnlichkeiten mit denen des Schwertes aufweisen lässt sich die Verteidigung auch in dem Fall anwenden. Ein Indiz dafür ist die Drehung des Bo beim Stoß. Ein gedrehter Bo kann nicht abgehackt werden und die Klinge bleibt leichter darin stecken. Es wird ausserdem gesagt, dass sich in den Techniken des Bo das Verständnis für jede Art von Kampfkunst finden lässt.

Der Grund für die fehlende Mischung der Waffen kann auch darin gesucht werden, dass Kobujutsu / Kobudo nicht dazu gedacht war, damit sich die Landbevölkerung damit gegenseitig bekriegt sondern nur eine Möglichkeit haben sollte der Obrigkeit die Stirn zu bieten, welche wiederum es niemals gewagt hätte sich mit den „Bauernwaffen“ zu beschäftigen und diese zu verwenden. Dazu waren die Standesunterschiede zu groß. Ein wichtiges Indiz hierfür ist auch die Tatsache, dass immer Stellen angegriffen werden die Schwachstellen in den Rüstungen darstellen. Egal welche der Waffen man nimmt, gegen einen ungepanzerten Angreifer wäre jeder Treffer fatal, im Speziellen Kopf, Brust und Organe während die Gliedmassen sekundär wären. Trotzdem werden immer Kopf (Men), Handgelenke (Kote), Hals (Kubi), Hüfte (Do), Knie (Ssune) und das Sprunggelenk angegriffen was bei einem normal gekleideten Menschen nicht immer die wirkungsvollsten Stellen wären. Genau hier waren jedoch die Lücken oder Schwachpunkte in der Rüstung. Im Kendo und Naginata-do stellen diese Punkte noch heute genau die Trefferpunkte dar welche Wertungen geben und einige alte Schwertschulen attackieren ebenfalls hier. Auch dass bei Rochin oft von schräg unten aus dem Kniestand heraus gestoßen wird zeugt von dieser Verwendung. Die kleinen Platten bzw. Kettenglieder waren in dieser Richtung nicht so stark wie von oben nach unten da sie wie Dachziegel übereinander lagen. Außerdem konnte man so unter die massive Bauchplatte gelangen. Auch diese Praxis findet man in manchen alten Schwertschulen welche den Kampf Krieger gegen Krieger unterrichteten. Dass sich dennoch Unterschiede in den Techniken ergeben ist klar. Zum einen wurde das Bewegungsmuster des Karate weitestgehend übernommen um das Erlernen zu erleichtern und die Übungen mussten immer so gestaltet sein, dass ein heimliches Üben möglich war. Wiederum treten andere Notwendigkeiten wie die Möglichkeit in engen Räumen zu Kämpfen, was zum Beispiel für Palastwachen wichtig war, in den Hintergrund.

Wenn man hinsichtlich dieser Punkte die Techniken betrachtet ergibt sich bei Kobujutsu / Kobudo neben dem Kampfkunstaspekt auch der Aspekt, dass es sich um gelebte Geschichte handelt für welche eine Neuentwicklung oder Umgestaltung ein Verbrechen am kulturellen Erbe einer Hochkultur wäre. Zumal es im Allgemeinen nicht üblich ist, dass sich Wissen aus den niederen Volksschichten erhalten hat. Dieses in seiner ursprünglichen Form zu bewahren und zu verbreiten ist unser Ziel.

Rub: Kobujutsu Rückblick

Rückblick: Kobujutsu Lehrgang Puchheim November 2010

Am 13.11.2010 fand in Puchheim zum ersten Mal ein Kobujutsu Lehrgang statt. Gern möchten wir hier...


Rub: Kobujutsu Rückblick

Rückblick: Lehrgang und Dan-Prüfung

vom 20. Februar in Nürnberg


Rub: Kobujutsu Rückblick

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Kobudo-Lehrgang im Dojo Neufahrn

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Rub: Kobujutsu Rückblick

LG Bericht Kobudo 26./27. 9. 2009

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TV 1894 Schwalbach Abt.Wado-Ryu-Karate


Rub: Kobujutsu Rückblick

Artikel über Kobudo im DKV-Magazin 5 2008

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Provokation als Taktik


Rub: Kobujutsu Rückblick

Artikel über Kobudo Abteilung des Karate-Dojo Freising

Süddeutsche Zeitung vom 29.7.2009

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Rub: Verein Rückblick

Jubiläum Karate-Dojo Freising - Dokumentation

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40-Jahrfeier Karate-Dojo Freising und 5-Jahrfeier Sparte Tai Chi


Rub: Verein Rückblick

40-Jahrfeier Karate-Dojo Freising - Presse

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Artikel der Presse über das Jubiläum vom 11.7.2009


Rub: Kobujutsu Rückblick

Bericht Kobudo Lehrgang 12.5.09

Ismaning 10.5.09

Budo-Club Ismaning e.V., Abteilung Kempo-Karate


Rub: Kobujutsu Rückblick

Lehrgangsbericht Kobudo

Kobudo-Lehrgang in Traben-Trarbach 17. bis 18. Januar 2009

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